meter tracking

  • Home

Doppelter Grund zum Feiern im EvK Castrop-Rauxel

Im August 2023 wurde im Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel die neu eingerichtete Zentrale Notnahme eröffnet – mitten im laufenden Betrieb, ganz ohne Festakt. Zum dreijährigen Bestehen sollte das nun nachgeholt werden. Gleichzeitig wurde auch Dr. Julia Anna Droste offiziell als Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am EVA Ruhr-Standort in Castrop-Rauxel vorgestellt.
Männer und Frauen stehen schick gekleidet auf einem Flur in mehreren Reihen nebeneinander. Eine Frau hält Blumen in der Hand. Kle

Freuten sich über die nachgeholte offizielle Eröffnung mit Einführung: v.l. Pflegedirektorin Beate Schlüter, Klinikmanager Dennis Klaebe, Chefärztin Dr. Julia Anna Droste, Geschäftsführer Gerhard Glock, Theologischer Direktor Frank Obenlüneschloß, Alena Krassa und Sara Simon von der Pflegerischen Leitung der ZNA sowie Chefarzt Dr. Michael Grüner. (Foto: EVA Ruhr)

Freuten sich über die nachgeholte offizielle Eröffnung mit Einführung: v.l. Pflegedirektorin Beate Schlüter, Klinikmanager Dennis Klaebe, Chefärztin Dr. Julia Anna Droste, Geschäftsführer Gerhard Glock, Theologischer Direktor Frank Obenlüneschloß, Alena Krassa und Sara Simon von der Pflegerischen Leitung der ZNA sowie Chefarzt Dr. Michael Grüner. (Foto: EVA Ruhr)

Eigentlich hätte die Einweihung schon längst stattfinden sollen. Doch wer in einer Zentralen Notaufnahme arbeitet, weiß: Der Alltag kennt keine Pause. Als das Evangelische Krankenhaus Castrop-Rauxel am 1. August 2023 mit seiner Zentralen Notaufnahme in die neuen Räumlichkeiten umzog, geschah das mitten im laufenden Betrieb, ganz ohne feierliche Eröffnung. Zum dreijährigen Bestehen sollte das nun nachgeholt werden. Gleichzeitig wurde auch Dr. Julia Anna Droste offiziell als Chefärztin der Zentralen Notaufnahme am EVA Ruhr-Standort in Castrop-Rauxel vorgestellt. „Beides zusammen ist doch eine gute Idee“, sagt die Bochumerin mit einem Lächeln.

Leidenschaft für die Notfallmedizin

Mit gerade einmal 32 Jahren begann Dr. Julia Anna Droste ihre Laufbahn am EvK Castrop-Rauxel. 2012 kam sie als Oberärztin in Teilzeit in die Klinik für Anästhesie, um parallel zusätzliche Qualifikationen in der Schmerztherapie und Palliativmedizin zu erlangen. „Ich habe mich hier sofort wohlgefühlt“, erinnert sie sich. „Das Haus ist breit aufgestellt, die Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen funktioniert hervorragend und ich war immer sehr mit dem Krankenhaus verbunden.“

Den Grundstein für ihre Arbeitsweise legte allerdings schon ihre erste Stelle als Assistenzärztin in Dortmund-Hörde. Dort lernte sie, immer mehrere Lösungen im Kopf zu haben. „Uns wurde beigebracht, immer einen Plan A, B, C und D zu haben – manchmal fast auf MacGyver-Art. Gerade in der Notfallmedizin hilft das sehr weiter.“

Aus Leidenschaft wurde Verantwortung

Schon früh faszinierte sie die Notfallmedizin. Sie absolvierte die Zusatzbezeichnung, war viele Jahre als Notärztin im Rettungsdienst unterwegs und beobachtete aufmerksam die Entwicklungen im Gesundheitswesen. Als der Gemeinsame Bundesausschuss 2018 die Krankenhäuser nach Notfallstufen neu strukturierte und überall Leitungen für Zentrale Notaufnahmen geschaffen wurden, war für sie schnell klar: Das ist genau ihr Fachgebiet. „Notfallmedizin war immer meine Leidenschaft“, betont die Chefärztin. 2019 übernahm sie schließlich die Leitung der Zentralen Notaufnahme. Mit dem Wachstum der Notaufnahme begann gleichzeitig der große Umbau. Seit dem Umzug in die heutigen Räumlichkeiten am 1. August 2023 verfügt die Abteilung über deutlich bessere Bedingungen. Durch den Herzkatheter sowie die vorhandene Stroke Unit, die Endoskopie und zehn Intensivbetten erfüllt das EvK heute die Voraussetzungen der Notfallstufe II und zählt zu den erweiterten Notfallversorgern. Mit den neuen Strukturen wuchs auch das Team. Vor allem in der Pflege kamen zahlreiche neue, junge Mitarbeitende hinzu. „Wir haben gemeinsam unglaublich viel aufgebaut und uns weiterentwickelt“, sagt Dr. Julia Anna Droste.

Wenn jede Minute zählt

Die Zentrale Notaufnahme ist der Ort, an dem täglich Menschen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen zusammentreffen – vom kleinen Schnitt bis zum lebensbedrohlichen Notfall. „Wir sind dafür da, schwerste Notfälle zu versorgen.“ Manchmal verlängert sich dadurch die Wartezeit für Patienten, „dies stößt nicht immer auf Verständnis“. Gleichzeitig erlebt das Team aber auch viel Dankbarkeit. „Viele Patienten entschuldigen sich sogar dafür, dass sie gekommen sind, obwohl sie selbstverständlich hier hingehören. Und wenn Menschen Danke sagen und sie deutlich besser nach Hause gehen können, ist das das Schönste an unserem Beruf.“ Besondere Momente bleiben ebenfalls in Erinnerung. So brachte eine Frau in der Zentralen Notaufnahme ihr Kind zur Welt. „Das war selbst für unser erfahrenes Team etwas ganz Besonderes.“

Corona und neue Herausforderungen

Die Corona-Pandemie bezeichnet Dr. Droste als eine der größten Herausforderungen ihrer bisherigen Laufbahn. „Am Anfang war alles neu. Niemand wusste, was auf uns zukommt.“ Dennoch sei die Notaufnahme gut vorbereitet gewesen. Heute richten sich die Blicke auf andere Entwicklungen – etwa die zunehmenden Hitzewellen. „Wir müssen künftig viel stärker prophylaktisch denken.“ Die Notaufnahme in Castrop-Rauxel ist vollständig klimatisiert, dennoch müsse man sich auf neue medizinische Herausforderungen einstellen. Immer häufiger kommen auch jüngere Menschen mit Hitzeschlägen oder starkem Flüssigkeitsmangel und müssen behandelt werden. „Es wird immer wieder neue Extreme geben. Im Nachhinein ist man zwar immer schlauer, aber wir müssen heute schon überlegen, wie wir morgen reagieren.“

Warum montags so viel los ist

Viele Menschen haben das Gefühl, dass in der Notaufnahme ständig Hochbetrieb herrscht. Tatsächlich hat Dr. Droste sich wissenschaftlich mit diesem Thema beschäftigt und im Rahmen ihres Masterstudiums im Gesundheitsmanagement umfangreiche Auswertungen erstellt. Die Zahlen zeigen ein klares Bild: Die meisten Patientinnen und Patienten kommen werktags zwischen 8 und 20 Uhr. Besonders montags ist das Patientenaufkommen am höchsten. Grund dafür sei, dass immer mehr Menschen die Notaufnahme als erste Anlaufstelle nutzen. „Viele verfügen nicht mehr über ausreichende Gesundheitskompetenzen oder bekommen keinen kurzfristigen Termin beim Haus- oder Facharzt.“ Zudem würden viele Patienten mit Einweisung über die Notaufnahme aufgenommen. „Wir sind dafür da, im Notfall dem Notfall zu helfen.“

Immer besser werden

Stillstand ist für Dr. Droste keine Option. „Ich bin der Meinung, dass Dinge nie einfach so bleiben dürfen, wie sie sind. Es gibt immer Optimierungsmöglichkeiten.“ Deshalb arbeitet sie kontinuierlich an Prozessverbesserungen, digitalen Abläufen, der elektronischen Patientenakte und der Anbindung des Rettungsdienstes. Auch der demografische Wandel wird die Notfallmedizin verändern. „Es werden immer mehr ältere Menschen kommen. Schon kleinere Verletzungen können dann erhebliche Folgen haben. Das bedeutet mehr Diagnostik, mehr Gespräche und mehr Zeit.“

Notfallmedizin verdient mehr Eigenständigkeit

Ein besonderes Anliegen ist Dr. Droste die Anerkennung der Notfallmedizin als eigenständiges Fachgebiet. „Menschen kommen mit Symptomen, und wir müssen zunächst herausfinden, was dahintersteckt.“ Notfallmedizin bedeute, nicht in die Tiefe eines einzelnen Fachgebiets zu gehen, sondern den gesamten Menschen im Blick zu behalten. „Wir stabilisieren, sortieren ein und entscheiden, welcher Fachbereich anschließend übernimmt. Genau diese Breite ist unsere besondere Expertise.“ Während viele Länder längst eine vollständige Facharztausbildung für Notfallmedizin anbieten, gibt es in Deutschland bislang lediglich eine zweijährige Zusatzweiterbildung. „Ich wünsche mir, dass sich das langfristig ändert.“

Gut aufgestellt für die Zukunft

Die geplante Notfallreform sieht Dr. Droste als Chance. Mit Herzkatheter, Stroke Unit, Intensivstation, Endoskopie und der vorhandenen Notfallpraxis seien die Voraussetzungen am EvK ideal. „Wir sind strategisch hervorragend aufgestellt.“ Patientinnen und Patienten kommen längst nicht mehr nur aus Castrop-Rauxel, sondern auch aus Dortmund, Herne, Bochum oder Datteln. Für die Zukunft wünscht sich die Medizinerin vor allem eines: noch mehr Aus- und Weiterbildung. Regelmäßige Übungen seien unverzichtbar. „Man muss Situationen beherrschen, bevor sie eintreten.“

Wenn einmal Zeit bleibt

Ausgleich findet Dr. Droste beim Beachvolleyball und auf Reisen. Die sieben neuen Weltwunder hat sie bereits alle besucht, ebenso das verbliebene alte Weltwunder. Nun stehen UNESCO-Welterbestätten auf ihrer persönlichen Wunschliste. Ihre größte Reise aber bleibt die Weiterentwicklung der Notfallmedizin.

Zurück