Drei Wochen volle Verantwortung: Pflege-Azubis übernehmen das Kommando
23 Pflege-Azubis übernahmen im Evangelischen Krankenhaus Witten drei Wochen lang auf zwei Stationen das Kommando: Die Infektions- und die Onkologische Station verwandelten sich in dieser Zeit in eine Ausbildungsstation. Dabei schlüpften die angehenden Pflegefachkräfte im dritten Lehrjahr in die Rolle ihrer examinierten Kolleginnen und Kollegen und waren im Stationsalltag gefordert – und zwar in erster Reihe. Rund um die Uhr. In allen Bereichen. Genau so, wie sie es in wenigen Wochen auch als examinierte Pflegekräfte sein werden. Zum Beispiel bei der Dienstplanung, die die ernannte Stationsleitung während des Projekts mit unerwarteten Personalausfällen vor so manche Herausforderung stellte. Und natürlich bei der Betreuung der Patienten, die neben der Pflege auch die OP-Vorbereitung umfasste. Wie viel Organisation der Pflegeberuf mit sich bringt, erlebten die Auszubildenden bei der Visitenaufarbeitung und der Pflegedokumentation: „Letztere ist für viele ein Aha-Erlebnis“, weiß Elke Kuhnen, Ausbildungsbetreuerin im EvK Witten, das Teil des EVA Ruhr ist. Während sich die meisten Azubis bei ihren Praxiseinsätzen wunderten, wie viel Zeit die Pflegekräfte am Computer verbringen, erlebten sie hier, wie wichtig eine gute Dokumentation ist.
Weil die Patientensicherheit an oberster Stelle steht, waren die Profis im Hintergrund stets zur Stelle: Jedem Azubi schaute während des gesamten Projekts eine examinierte Pflegekraft über die Schulter, um im Ernstfall einschreiten zu können. Zudem begleiteten die Ausbildungsbetreuung und Praxiskoordination eng. „Das Wertvolle an diesem Projekt ist der hohe Lernwert: Die Auszubildenden müssen alles selbst machen, wissen aber, dass immer jemand da ist, den sie fragen können. Sie tragen die Verantwortung, aber dürfen auch Fehler machen“, betont Beate Plückelmann, die mit Nadine Rehage ebenfalls zum Team der Ausbildungsbetreuung gehört.
Die Ausbildungsstation ist in diesem Jahr in die sechste Runde gegangen. Wie in den Vorjahren war es für die Ausbildungsbetreuerinnen auch diesmal wieder besonders schön, die Entwicklung ihrer Schützlinge mitanzusehen – von turbulenten ersten Tagen über die Findungsphase bis zu tollen Ergebnissen in der Abschlusswoche. „Alle haben sich wahnsinnig entwickelt“, resümierten sie.
Für Nour Alazawy, die die Stationsleitung auf der Onkologischen Station übernommen hatte, war die Ausbildungsstation ein Experiment, das viele Herausforderungen bereithielt: Verantwortung, Stress, Konflikte, Emotionen. Vor allem aber war es lehrreich: „In den drei Wochen konnten wir anwenden, was wir in den vergangenen drei Jahren gelernt haben“, so die „Stationsleiterin auf Zeit“. Dem schloss sich Luca Siepmann, der auf der Infektionsstation die stellvertretende Stationsleitung übernommen hatte, an. „Wir hatten hier die Möglichkeit, zu wachsen“, sagt er – und erinnert sich an ein besonderes Erlebnis: Für eine stark übergewichtige Patienten musste ein Spezialbett organisiert werden. „Hier wird man mit Problemen konfrontiert, die man vorher gar nicht gesehen hat.“
Möglich wird das durch die Unterstützung des gesamten Teams – von der Pflege über die Therapie bis zu den Ärzten. „Ein großes Dankeschön an alle, die dieses Projekt mittragen“, sagt Andrea Schulte, die die Ausbildungsstation als stellvertretende Pflegedienstleitung eng begleitet hat.
Jetzt bewerben!
Wer eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren möchte, kann sich unter www.eva-ruhr.de/ausbildung um einen Ausbildungsplatz bewerben. Hier gibt es auch weitere Informationen rund um die dreijährige generalistische Pflegeausbildung. Nächster Ausbildungsbeginn ist am 1. Oktober.